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Essen und sonstige Ernährung im Mittelalter

Essen und sonstige Ernährung im Mittelalter

Beitragvon Lindariel » 4. Jan 2013, 19:05

Einführung: Essen und Trinken im Mittelalter

Ernährung bedeutete im Mittelalter etwas anderes als heute. Wir sind es heutzutage gewohnt, zu jeder Jahreszeit Lebensmittel aus aller Welt zur Verfügung zu haben. Damals war man abhängig von der Jahreszeit und den regional begrenzten Angeboten. So konnte man Spinat fast ausschließlich im Frühjahr genießen, grüne Erbsen im Sommer, Radieschen im Herbst und Grünkohl im Winter. Regionale Einschränkungen gab es z. B. für Wein, der wegen dem besseren Klima hauptsächlich in Süddeutschland angebaut werden konnte.

Wovon ernährten sich also unsere Vorfahren tagtäglich oder bei besonderen Anlässen? Wie kam das Essen auf den Tisch und wie entstanden Hungersnöte?

Wenn man an Rittermahle denkt, hat man die ausschweifenden Gelage im Sinn, die am königlichen Bankett veranstaltet wurden. Bei diesen Gelagen gab es Nahrung im Überfluss (bis zu 10 Gänge), Musik, Wein und ausgelassene Stimmung. Man stopfte sich den Ranzen voll und Tischmanieren im heutigen Sinne waren noch gar nicht bekannt. Doch diese Vorstellung spiegelt nur die Festtagsessen am königlichen Hof wider. Die tägliche Nahrung der breiten Bevölkerungsschicht sah sehr viel karger aus.

Überlieferungen erzählen meist nur von diesen Gelagen. Informationen über die tägliche Ernährung der Bevölkerung müssen also anders beschafft werden. Und hier bieten Latrinen eine wahre Goldgrube. In den mittelalterlichen Toiletten haben sich alle erdenklichen Abfälle und Ausscheidungen angesammelt, mit deren Hilfe Forscher (Archäologen) ziemlich genau nachweisen können, wie das tägliche Brot der Menschen im Mittelalter aussah. Ein Ausschnitt aus dem Tagesablauf eines Bauern um das Jahr 1000:

„Es ist ein milder Frühlingstag. Theudebert verlässt in der Morgendämmerung sein Haus, um auf dem Feld zu arbeiten. Gegessen hat er noch nichts. Die erste Mahlzeit wird zur Mittagszeit von seiner Frau zubereitet. Er führt seinen Ochsen mit dem Holzpflug neben sich auf das Feld hinaus. Auf dem Weg sieht er einige wild wachsende Pflanzen, nach denen er sich bückt, um sie zu auf dem Weg zu essen. Er sieht Sauerampfer und weiß, dass die länglichen, grünen Blätter in seinem Mund sauer schmecken werden. Weiter hinten am Feldrand pflückt er ein paar Blätter Kapuzinerkresse. Auch hier kennt er den Geschmack und steckt sich eines der scharf-würzigen Blätter in den Mund. Zu essen bekommt er bis zur Mittagszeit nur das, was die Natur auf seinem Weg hergibt. Im Sommer und Herbst wird dies mehr sein, im Winter so gut wie nichts. Trotz der kargen Mahlzeit knurrt schon sein Magen und er denkt an das Mittagsessen...

Nachdem Theudebert das Feld mit Furchen durchzogen hat, etwa 30 in der Länge und 10 in der Breite, kehrt er mit seinem Ochsen zum Haus zurück. Hildegard, seine Frau, hat schon das Mittagessen auf den Holztisch gestellt. In Holzbechern serviert sie einen Brei aus Mehl und Milch mit Honig gesüßt – die gleiche Mahlzeit wie fast jeden Tag. Das Essen wurde in einem Kessel über der Feuerstelle im Haus aufgewärmt. Theudebert bekommt von dem Essensgeruch starkes Magenknurren. Er setzt sich zu seinen Kindern auf einen Holzschemel und gießt sich Molke ein – das gleiche Getränk wie fast jeden Tag. Aber Theudebert beklagt sich nicht. Er weiß, er kann froh sein, dass überhaupt Essen auf dem Tisch steht. Oft genug hat er schon erlebt, dass das Mittagessen wegen Missernten und die dadurch gestiegenen Getreidepreise ausfallen musste."

Man sieht also, die Ernährung der ärmeren (breiten Masse der) Bevölkerung war karg und eintönig. Wir gehen in diesem Artikel trotzdem auf möglichst viele Facetten der mittelalterlichen Ernährung ein.

Ernährung im Frühmittelalter

Die mittelalterliche Küche wurde von der antiken Kochkunst der Römer beeinflusst. Da die Römer auf ihren Eroberungszügen die Speisen und Getränke aus den verschiedensten Ländern kennenlernten, war die antike Küche auch recht vielfältig. Lange Zeit galt die römische Küche noch als die einzige einer zivilisierten Gesellschaft würdige Küche. Aus der Antike wurde das berühmte Kochbuch „de re coquinaria“ von Apicius überliefert, das in Klöstern überdauerte und so die Küche des Mittelalters erreichte.

So erinnerte man sich seit dem Frühmittelalter noch an einige Pflanzen und Rezepte, die seitdem in mehr oder weniger veränderter Form Anwendung fanden. Auch die Gewohnheit großzügig zu würzen wurde aus der Antike übernommen. Jedoch konnten sich nur Adelige die unermesslich teuren Gewürze aus fremden Ländern leisten, was dazu führte, dass reich gewürzte Speisen auch als Statussymbol dienten – man konnte damit seinen Reichtum zeigen. Die ärmere Bevölkerung hatte keine Möglichkeit, fremdländische Gewürze zu benutzen. Hier kamen, für unsere heutigen Essgewohnheiten, übermäßig scharfe Gerichte auf den Tisch, da man mit der Schärfe den Salzgeschmack überdecken wollte, der durch das Haltbarmachen einiger Speisen, besonders von Fleisch und Fisch, entstand.

Veränderung der Esskultur

Mit der Klimaverbesserung im Hochmittelalter veränderte sich auch die mittelalterliche Küche. Ab dem 11. Jahrhundert konnten mehr Getreide und Gemüsesorten angebaut werden, die Waldflächen wurden zugunsten von Feldern reduziert, viele neue Städte entstanden. Doch die Felder und mit ihnen sogar die Bauern, die diese bearbeiteten, waren Eigentum der reichen Landesherren. Im Frühmittelalter musste der Bauer bei guten Ernten einen Grossteil seiner Ernte abgeben. Selbst behalten durfte er nur das, was er und seine Familie selbst essen konnten. Also besaß ein Bauer so gut wie nichts, da er für seine Arbeit natürlich nicht bezahlt wurde. Aber auch bei Missernten war er verpflichtet eine bestimmte Menge seiner Erträge abzugeben. Und wenn er dazu nicht im Stande war, musste er bei seinem Landesherren Schulden machen.

Vom 10. bis zum 13. Jahrhundert wurden die Bauern „reicher“. Sie hatten mehr zu Essen, mehr Besitz und ihr Selbstwertgefühl war gestiegen. Auch die Gesamternährungslage durch das Klima im Hochmittelalter besserte sich, jedoch gab es, auch durch Missernten und die schamlose Ausnutzung der Macht einiger Landesherren, immer wieder schwerwiegende Hungersnöte.

Ackerbau

Zur Bearbeitung der Felder wurden im Frühmittelalter Ochsen und Pflüge aus Holz gebraucht. Das Holz zerbrach oft und man musste den Boden mit Schaufeln nachbearbeiten. Erst ab dem Hochmittelalter gab es Pflüge aus Eisen. Ochsen arbeiten langsamer als Pferde, die ebenfalls erst im Hochmittelalter und mit passendem Zuggeschirr verwendet wurden. So war der Ertrag einer Ernte im Frühmittelalter nur etwa doppelt so hoch wie die Aussaat. Ab dem Hochmittelalter wurde die Landwirtschaft dann durch verschiedene Erfindungen (bspw. Räderpflug, Hufeisen, Sense, Windmühle, Dreifelderwirtschaft usw.) revolutioniert. Nicht zuletzt daher hat das Hochmittelalter seinen Namen.

Kochbuch

Das älteste erhaltene deutsche Kochbuch ist „daz buoch von guoter spise“ aus dem Jahr 1345. Die Rezepte in diesem Buch dienten zum Kochen von Festtagsmahlzeiten, denn die alltäglichen Speisen mit Brot, Kraut und Rüben bedurften keiner großen Kochkunst und wurden ohnehin schon von jeder kochfähigen Frau beherrscht. Auch wurden die Kenntnisse der Kochdauer und Mengenbemessungen vorausgesetzt. Kraut und Rüben galten übrigens als ordinär und für die armen Menschen würdig. Die reichen Herren wollten diese „unwürdigen“ Gemüse nicht verzehren.

Körpergröße

Die Ernährung hatte erheblichen Einfluss auf die Körpergröße. Ist die Ernährung in den Wachstumsjahren eines Menschen üppig und mit vielen tierischen Eiweißen, so steigt die durchschnittliche Körpergröße. So konnten die Menschen im Frühmittelalter durch die eiweißhaltige, tierische Nahrung größer werden als die Menschen im Hochmittelalter. Im Spätmittelalter sinkt die Körpergröße wieder stetig, bedingt durch das Absinken der Temperaturen und der schlechten Nahrungsmittelversorgung. Interessant ist auch, dass Angehörige reicher Familien größer waren als die der armen Bevölkerungsschicht, denn sie konnten sich das bessere Essen leisten.

Doch nicht nur die Menschen, sondern auch die Haustiere waren im Mittelalter erheblich kleiner - etwa halb so groß wie die heutigen Nutztiere. Ein Huhn im Mittelalter bekam Körner zu Essen; es wuchs allmählich bis es nach einigen Monaten ausgewachsen war. Dabei konnte es auf dem Hof herumspringen und Muskeln ausbilden. Dadurch verbrannte es auch Körperfett. Ein Huhn heutzutage wird auf engstem Raum gehalten, damit es sich nicht bewegen kann. Es bekommt Wachstumspräparate zu Essen ist innerhalb von 2 Wochen ausgewachsen und zwar größer als ein normales Huhn.

Beim Schwein ist es ähnlich. Damals wurde es nicht nur in einem Stall gehalten, sondern wurde so oft es geht in den Wald getrieben, um dort Bucheckern und Nüsse zu essen. Es hatte kargere Ernährung und mehr Bewegung als die heutigen Schweine. Außerdem ist auf Bildern aus dem Mittelalter noch die Verwandtschaft zum Wildschwein zu erkennen mit den dunklen Borsten und Hauern. Das ist heute alles weggezüchtet.

Bekannte Nahrungsmittel

Auch wenn die mittelalterliche Küche von Früh- bis zum Spätmittelalter eine große Vielfalt an Lebensmittel aufweist, so bleibt diese Vielfalt doch den reichen Herren vorbehalten. Die Hauptmahlzeit der armen Bevölkerung bestand aus Brot, Kraut und Rüben und Bohnen.
Lindariel
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