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Arbeit und Berufe

Arbeit und Berufe

Beitragvon Lindariel » 10. Nov 2012, 10:24

Die damalige Dreiteilung der Stände wies den Menschen zu, welchen Tätigkeiten sie nachgehen mußten. Das handwerkliche Arbeiten war zunächst nur dem unterstem Stand vorbehalten: den Bauern. Während die Mittelschicht, also die Ritter, für die Herstellung von Kriegsgeräten zuständig war, mussten Geistliche sich dem Gebet verschreiben. Die handwerkliche Arbeit galt im Frühmittelalter als Mühsal und wurde von den meisten Menschen als Bestrafung Gottes nach dem Sündenfall angesehen. Handwerker stellten zu dieser Zeit nur Produkte für ihre unmittelbare Umgebung her.

Im Hochmittelalter wandelte sich jedoch die bis dahin eher negative Auffassung von Arbeit. Manuelle Arbeit und geistliche Konzentration wurden nicht mehr als unvereinbar angesehen. Durch diesen Wertewandel bedingte sich der Aufschwung des Handels. So wurde auch die Wirtschaft in Städten angekurbelt. Die oberen Schichten wurden aufgefordert zu arbeiten.

Im Hoch- und Spätmittelalter entstanden viele Berufe. Diese richteten sich jedoch nach der Nachfrage bestimmter Produkte. Durch diese Nachfrage schlossen sich Berufsgruppen zusammen. Man unterschied hauptsächlich zwischen Handwerkern und Handelsleuten, die sich zu Zünften und Gilden zusammenschlossen. Bekannte Berufe des Mittelalters waren der Bader, der Kürschner, der Schmied, der Buchbinder, und viele mehr. Einteilen lassen sie sich beispielsweise in Bauern, Handwerker und unehrliche Berufe.

Es gab im Mittelalter in Deutschland unzählige Berufe. Die meisten davon waren handwerkliche Berufe. Eigentlich alles, was hergestellt werden konnte, hatte eine eigene Berufsbezeichnung, wie z. B. Glasmacher, Papiermacher, Sattler, Riemer, Schuhmacher, Strumpfsticker usw. Außerdem wurden genau so alle möglichen Dienstleistungen als Berufe ausgeführt, wie z. B. der Fassträger, der Hausanstreicher oder der Wirt.

Die Berufe entwickelten sich erst später im Mittelalter. Im Frühmittelalter lebte die Gesellschaft zum größten Teil auf dem Land. Jeder Hof war meist für sein eigenes Leben zuständig und fertigte sich selbst benötigte Gegenstände. Daher waren die meisten Menschen im Mittelalter auch handwerklich begabt. Da sich aber kaum ein Bauer teure Geräte zur Verarbeitung von schwierigen Materialien leisten konnte, bestanden die meisten Gegenstände aus Holz, wo nötig aus Metall.

Das sieht man schon alleine an der Einrichtung des Hauses. Möbel und Geschirr aus Holz war keine Seltenheit. Töpfe mussten wegen der Hitze des offenen Feuers aus Metall gefertigt werden.

Erst im Spätmittelalter, mit dem Aufkommen und Etablieren der größeren Städte, mit dem vermehrten Reichtum und den daraus resultierenden gestiegenen Bedürfnissen der Menschen, entstanden die meisten Spezialisierungen. Glasmacher, Goldschläger, Zirkelschmied oder Dachdecker boten ihre Dienste an. Mit der Zeit schlossen sich die meisten von ihnen in Zünften (handwerkliche Berufe) oder Gilden (Handelsberufe) zusammen.
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Bauern

Beitragvon Lindariel » 10. Nov 2012, 11:28

Bauern im Mittelalter

Der Anteil der bäuerlichen Bevölkerung betrug während des gesamten Mittelalters mit nur unwesentlichen Schwankungen etwa 90 Prozent. Die Bauern gehörten zum dritten Stand, der die Basis für den Reichtum des ersten und zweiten Standes, Klerus und Adel, erarbeitete und für die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln sorgte. Obwohl die Bauern diese gesellschaftlich wichtige Aufgabe erfüllten, war ihr Ansehen niedrig. Dieses Faktum beruhte auch auf der geringen Wertschätzung, die der körperlichen Arbeit entgegengebracht wurde. Die Rechte der Bauern hingen weitgehend davon ab, welchen Status sie innerhalb ihres Standes innehatten. So gab es die freien, die halbfreien und die unfreien Bauern. Für Halbfreie und Unfreie bedeutete das Rechts- und Wirtschaftssystem der Grundherrschaft, dass sie sowohl wirtschaftlich als auch rechtlich und sozial von ihren Grundherren abhängig waren.

Einrichtung der bäuerlichen Häuser

Eine Hälfte des bäuerlichen Hauses diente als Wohnung, die andere als Stall und Scheune. Mittelpunkt des Hauses war die Feuerstelle, die zum Heizen und Kochen genutzt wurde. Der Rauch entwich durch eine Öffnung im Dach, das sogenannte Eulenloch. In der Regel bereitete die Bäuerin zwei Mahlzeiten am Tag zu, die sie morgens und nach getaner Arbeit am Abend auftischte. Die Möblierung war einfach und zweckmäßig. Eine rohe Holzkiste diente als Truhe; es gab einen Tisch, um den herum mehrere Schemel gestellt waren. Die Erwachsenen schliefen auf Pritschen aus Holzbrettern, auf die ein Strohsack gelegt wurde, als Decke wurde ein Schaffell benutzt. Die Kinder nächtigten auf dem Fußboden im aufgeschütteten Stroh.

Arbeitsalltag der Bauern

Der überwiegende Anteil der bäuerlichen Arbeit wurde auf den Feldern verrichtet. Der Arbeitstag des Bauern begann bei Sonnenaufgang und endete erst mit dem Einbruch der Dunkelheit. Der Alltag der Bauern war vor allem bestimmt durch den jahreszeitlichen Zyklus. Im Frühjahr bestellten sie die Äcker, pflügten und säten aus. Sommer und Frühherbst waren durch Ernte- und Pflugarbeiten geprägt. Die Bauern des Mittelalters waren jedoch nicht nur Feldbauern, sondern auch Viehhalter. Rinder wurden als Zugtiere und als Lieferanten von Milch, Fleisch und Leder gehalten. Auch Schweine zählten zum Viehbestand. Diese wurden im Herbst zur Mast in die Wälder getrieben, wo es Bucheckern und Eicheln gab. Darüber hinaus war Federvieh ebenso Bestandteil des bäuerlichen Hofes wie Schafe, die zur Gewinnung von Wolle für die Kleidung wichtig waren. Die Versorgung des Viehs war somit – neben der Feldarbeit – eine weitere zeitintensive Verpflichtung.

Quelle: http://www.leben-im-mittelalter.net
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Handwerker

Beitragvon Lindariel » 10. Nov 2012, 11:32

Handwerker

Die Handwerker gehörten ab etwa dem 12. Jahrhundert zu einer freien und durchaus auch angesehenen Gesellschaftsschicht. Bald bildeten sich Zünfte der verschiedenen Berufe und die Handwerker konnten sich einen verhältnismäßig hohen Lebensstandard leisten. Die Gliederung der Ausbildungsstufen in Lehrling, Geselle und Meister blieben bis heute unverändert.

Im Gegensatz zu den Bauern, waren Handwerker freie Leute. Dies setzte sich jedoch erst im 12. Jahrhundert durch. Da die Bauern im Frühmittelalter für ihren eigenen Bedarf produzierten, standen Handwerker zunächst unter der Hörigkeit der politischen und weltlichen Grundherrschaft. Bauern sahen das Handwerk als Nebenerwerb an. Erst mit dem Aufblühen der Städte, gelang es das Handwerk zu verselbstständigen.

Durch die zunehmende Komplexität der Bedürfnisse der Gesellschaft, entwickelten sich diverse Sonderberufe. So zum Beispiel Nahrungshandwerker, Kleidungshandwerker, Bauhandwerker, Kunsthandwerke, aber auch Holz-, Metall-und Tonhandwerker.Handwerker unterschieden sich nun von der bäuerlichen Selbstversorgung durch ihre Spezialisierung, der Abhängigkeit vom Erlös, einen höheren Lebensstandard, sowie auch einem höheren gesellschaftlichen Ansehen. Zudem bildeten Handwerker Zünfte. Dies waren Zusammenschlüsse gleicher Handwerksgruppen, die einen wirtschaftlichen Vorteil erbrachten. Seit dem Jahr 1438 wurde das Handwerk als eine eigenständige Berufsgruppe angesehen. Handwerker zählten zum Mittelstand, obwohl sie kaum politischen Einfluss hatten.

Handwerksberufe

Im Laufe des Mittelalters bildete sich nach und nach eine Vielfalt an Handwerksberufen. Mit dem Aufstreben der Städte florierte auch das Handwerk. Es wurden Gebäude gebaut, Güter produziert oder aber auch Dienstleistungen wie das Schneiden von Haaren und Bart angeboten.

Erst gegen Ende des Frühmittelalters entwickelten sich Handwerksbetriebe. Grund hierfür war das Wachstum der Dörfer zu Städten. Zwar war das Handwerk auch in Dörfern und auf dem Land verbreitet, wurde aber nur für die Eigenproduktion betrieben. Die meisten Handwerker waren zunächst Bauern, die handwerkliche Tätigkeiten zum Nebenverdienst ausübten. Die Spezialisierung der einzelnen handwerklichen Berufe entwickelte sich aber erst im Laufe der Zeit. Grund hierfür war die steigende Nachfrage in den Städten.

Bauberufe

Der Bereich der Bauberufe umfasst gleich mehrere Handwerke auf einmal. Es wurden sowohl Holz und Stein, sowie später auch Metall verarbeitet, somit brauchte ein erfolgreicher Bau neben dem fähigen Baumeister auch Schreiner, Steinmetzen, Tischler, Gerüstbauer und Schmiede. Dazu kamen auch Schnitzer, Maler, Bildhauer und Künstler, die dem fertigen Gebäude seinen einzigartigen Charakter verliehen.

Vor allem die großen Bauwerke, wie Stadtmauern oder Kathedralen beschäftigten ein Heer aus mehreren hundert Arbeitern. Nur durch diese großartige Teamarbeit der verschiedensten Handwerkszünfte konnten diese architektonischen Meisterleistungen überhaupt entstehen.

Ernährungsberufe

Zur Zeit des Mittelalters war Ernährung in den meisten Räumen noch das, was es im Grunde auch ist – eine Lebensgrundlage. Zur Völlerei kam es in der Regel nur im Adel oder in moralisch schlecht gesitteten Klöstern. Alle übrigen Menschen konnten sich derartige Verschwendungssucht gar nicht leisten. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich auch das Beschäftigungsbild im Bereich der Ernährung auf die lebenswichtigen Tätigkeiten, wie die des Müllers, Beckers, Fischers, Jägers und Fleischers beschränken. Nichtsdestotrotz gab es daneben natürlich auch zahlreiche Gasthäuser, die begabte Köche und Gastwirte beherbergten.

Holzberufe

Tischler, Schreiner, Drechsler, Schnitzer oder Flößer – die Vielfalt der mittelalterlichen Holzberufe erstreckt sich über ein sehr weites Feld. Da auch heute noch in zahlreichen Bereichen mit dem Grundmaterial Holz gearbeitet wird, haben sich die meisten Berufe auch erhalten. Dennoch spielte im Mittelalter Holz noch eine wesentlich größere Rolle, als heute. Ganze Häuser, Stadtmauern, Gerüste für Kirchen, Rathäuser und Kathedralen bestanden aus dem wertvollen Material und verlangte dementsprechend ein umfangreiches Wissen und Know-how der Handwerker.

Lederberufe

Schon in ihren jüngsten Tagen entdeckten die Menschen die Vorzüge von Tierhäuten. Als Kleidung oder Zeltbespannung – der Siegeszug des Leders greift weit in die Geschichte zurück. Zur Zeit des Mittelalters entwickelte sich die Branche der Lederberufe zu einem der wichtigsten Handwerksstände. Ob Adel oder Bauer, auf gegerbte Häute, Ledersattel, Polster, Riemen, Kummets für Zugtiere oder feinste Schuhe konnte niemand verzichten. Einige der Berufe, wie z.B. der Sattler, haben sich bis in die Gegenwart erhalten.

Metallberufe

Hammer, Amboss und Blasebalg – diese Werkzeuge geben Aufschluss über das traditionsreiche Handwerk des Schmiedes. Schon im Mittelalter gab es ein vielfältiges Angebot an Metallberufen. Vorrausetzung waren neben Kraft und Ausdauer auch ein umfangreiches Wissen zum Arbeitsgegenstand Metall, Präzision und ein gutes Vorstellungsvermögen. Nicht nur Rüstungen, Waffen und Werkzeug, sondern auch feine Goldschmiedearbeiten, wie Trinkpokale oder edelste Schmuckstücke standen auf den Auftragslisten. Diese Filigranarbeit war vor allem beim Großbürgertum oder im Adel sehr beliebt.

Textilberufe

Dies ist eine der wenigen Branchen, die vor allem im späteren Mittelalter hauptsächlich den Frauen angedacht war. Vom Färben einmal abgesehen, waren es eher die Mütter, Töchter und Großmütter, die das Spinnen, Nähen, Stricken, Flechten, Knüpfen und Stopfen übernahmen. In einer Schneiderei allerdings war es natürlich wieder der Schneidermeister, der Schnitte festlegte und Aufträge verwaltete.

Viele mittelalterliche Berufe lassen sich nicht eindeutig in eine der vorliegenden Kategorien einordnen, sie sind deshalb den sonstigen Berufen zugeordnet.

Quelle: http://www.leben-im-mittelalter.net
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Unehrliche Berufe

Beitragvon Lindariel » 23. Nov 2012, 09:18

Es gab auch Berufe, die nicht dem Ideal entsprachen. So zum Beispiel arbeitsscheue oder unehrliche Berufe. Als arbeitsscheu galt das Milieu der Nacht. Dazu zählte man Bettler, Diebe und Prostituierte. Unehrliche Berufe, waren Berufe, die nicht als betrügerisch angesehen wurden, sondern als ehrlos. Unehrliche Leute lebten meist am ständegesellschaftlichen Rand. Dazu zählten auch Familienangehörige dieser Erwerbstätigen. Diese Berufe lassen sich heute nur mehr schwer zusammenfassen, denn je nach Kultur und Zeitraum änderte sich diese Auffassung über ehrlose Tätigkeiten.

Welche Berufe im Mittelalter als unehrliche Berufe angesehen wurden, war sehr unterschiedlich. So gehörten einige Handwerksberufe dazu, denen Betrügereien wegen schwer einzuschätzender Leistungen unterstellt wurden. Auch das „fahrende Volk“ und solche Dienstleistungen, die sich mit Schmutz und Strafe beschäftigten, wurden verachtet. Den Nachkommen war es unmöglich, aus solchem Berufsstand herauszukommen.

Abdecker

Zu den Aufgaben der Abdecker gehörte es, tote Tiere zu verwerten und die Reste zu vergraben oder zu verbrennen. Sie lieferten Knochen an Seifensiedereien, Häute an Gerbereien und verfaultes Fleisch an Salpetersieder. Für sie bestand eine hohe Gefahr, sich an Milzbrand zu infizieren. Da ihre Tätigkeit mit starkem Gestank verbunden war, konnten sie nur außerhalb der Ortschaften wohnen.
Der Abdecker einer Stadt war in einigen Fällen auch gleichzeitig der Henker der Stadt, da er von einem Beruf allein nicht leben konnte. Beide Berufsgruppen waren jedenfalls so sehr geächtet, dass sie keinen gesellschaftlichen Kontakt hatten, in der Gaststätte mussten sie z. B. an einem abgesonderten Tisch sitzen.

Büttel

Ein Büttel wurde vom Amtsherrn als Hilfsperson eingesetzt, um dienstfertig Befehle auszurichten. Dazu gehörten neben den Gerichtsdienern auch die Gehilfen des Henkers. Diese hatten unter anderem die Aufgabe, zum Rädern verurteilte auf das Rad zu flechten. Die Handlanger der Obrigkeit wurden auch zum Eintreiben von Steuern und Abgaben eingesetzt. Sie standen im Ruf, manchen Auftrag zu ihrem eigenen Nutzen auszuführen.

Henker

Als Vollstrecker einer Hinrichtung war der Henker genauso wie der Abdecker geächtet. Oft führte eine Person beide Ämter gleichzeitig aus. Der Zutritt zu Wirtshäusern und ein ehrliches Begräbnis wurden diesem Berufsstand verwehrt. Der Henker musste erfolgreich Geständnisse entlocken und eine Hinrichtung fehlerfrei vollstrecken. Aufgrund seiner guten Kenntnisse in der Anatomie verdiente sich ein Henker nicht selten mit Heilpraktiken etwas dazu.
Man sah diesen Beruf als unangenehm und unmoralisch an. Der Ruf des Henkers färbte auch auf seine Familie ab. In der städtischen Gesellschaft des Mittelalters waren sowohl er, seine Frau als auch seine Kinder wegen seinem Beruf verachtet. Meistens lebte der Henker wegen seiner Ächtung außerhalb der Stadtmauern in einer schlechten Wohngegend.

Kesselflicker

Als Handwerker ohne feste Werkstatt zog der Kesselflicker mit seiner Familie durchs Land. Er reparierte in seinem Lager am Ortsrand mit altem Kupfer und Handwerkszeug schadhafte Kessel, Töpfe und Pfannen. Beim Einholen von Aufträgen verjagten die Bewohner des Ortes ihn oft als Störenfried und Dieb. Da er sich mit vielen fremden Ausdrücken wehrte, wurden ihm allerhand Ungeheuerlichkeiten unterstellt. Davon zeugen heute noch mehrere Redewendungen.

Müller

Der Müller stellte in der Mühle Mehl und Schrot für die Ernährung her. Ein Mahlzwang wies den Bauern ihre zuständige Mühle zu. Als Nachweis wurde für jeden Scheffel Getreide eine Kerbe in ein Kerbholz geschnitzt. Dem Müller stand als Lohn die Metze, ein Sechzehntel je Scheffel des angelieferten Getreides, zu. Die Bauern unterstellten ihm nicht ganz unbegründet, oft zu seinen Gunsten falsch zu messen.

Schäfer

Als Einzelgänger war der Schäfer aus der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen. Auch wenn Dung und Wolle als Rohstoff geschätzt wurden, betrachtete man den Schäfer mit seiner freien Tätigkeit misstrauisch. Meistens waren seine Schafe die wohlgenährtesten in der Herde. Der Schäfer verfügte über geheimnisvolle Heilmethoden für Mensch und Tier. Selbst im Kriegsfall konnte er seine Herde nicht verlassen. Damit war er ehrlos.

Totengräber

Zur Aufgabe des Totengräbers gehört es, sich um die Leichen bis zur Beerdigung zu kümmern. Er musste sie waschen und herrichten, die Gräber ausheben und wieder zuschaufeln. In einigen Städten war er sogar für die Reinhaltung der Abwasserkanäle zuständig. Im Gegensatz zu anderen Handwerkern erhielt der Totengräber sein Werkzeug von der Kirche. In den Zeiten der Verbreitung der Pest war dieser Beruf eine lukrative Tätigkeit.

Türmer

Der Türmer hatte die Aufgabe, vom höchsten Turm der Stadt die Umgebung zu beobachten und vor Gefahren zu warnen sowie stündlich die Zeit zu melden. Gefahren konnten herannahende Banden oder Truppen sein, aber auch Brände in der Stadt. Zur Warnung benutzte er ein Horn, eine Glocke oder Tücher und Lichtzeichen. Sehr oft wohnte der Türmer im Turm und hatte keinen Kontakt zu anderen Menschen.

Prostituierte

Das Paradebeispiel für einen Beruf, der als unmoralisch angesehen wurde, war Hure oder Prostituierte. Ihre Aufgabe war es, Männer gegen Bezahlung zu befriedigen. Ob auch Frauen zu Prostituierten gingen, darüber haben wir nichts gefunden. Die Kirche hatten großen Anteil daran, diesen Berufsstand schlecht darzustellen, verboten wurde er jedoch nicht, da man sich in der mittelalterlichen Gesellschaft dachte, "lieber lassen die Männer ihren Druck bei den Prostituierten ab und verschonen dafür ehrbare Frauen". Man kann daraus wohl schließen, dass es für eine Frau alleine in der mittelalterlichen Stadt gefährlich war, Vergewaltigungen wohl sehr häufig vorkamen.

Das Bild von unehrlichen Berufen wandelte sich mit der Zeit. Mal waren mehr, mal weniger Berufe verachtet. Unterschiedlich nach Zeit und Ort und somit der lokalen Kultur. Zeitweise galten alle Berufe, in denen man mit Kranken, Verurteilten, Verletzen oder Toten in Berührung kam, als unehrlich. Das ging dann vom Gefängniswärter bis zum Arzt.

Oft wurden auch einfach Geschichten erfunden, um einen Berufsstand in schlechtes Licht zu rücken. Was die Hintergründe für solche Geschichten waren, weiß man nicht, ob es ein Streit war, Neid oder eine berechtigte Vermutung. Müllern warf man z. B. vor, sie betreiben in ihrer Mühle ein Bordell oder klauten den Bauern heimlich das Getreide, während es gemahlen wurde. Den Schneidern warf man vor, sie klauten etwas von dem Stoff, der ihnen zum Schneidern von Kleidern hinterlassen wurde. Dem Schäfer wurde nachgesagt, er treibe Sodomie, wenn er einsam mit den Schafen auf der Weide war.

Der Bader hatte mit Kranken Menschen zu tun und, wenn er ein Badehaus hatte, war die Wahrscheinlichkeit groß, dass er auch Prostituierte beschäftigte. Die Schausteller, wie z. B. Taschenspieler hatten den Ruf, die Menschen zu bestehlen oder ihnen durch unlautere Mittel, das Geld aus der Tasche zu ziehen. Der Nachtwächter schlich in der, im Mittelalter viel dunkleren, Nacht durch die Gassen, was ihn von vornherein suspekt machte. Der Türmer (Turmhüter), dessen Aufgabe darin bestand, auf den höchsten Gebäuden der Stadt nach Gefahren Ausschau zu halten, war wohl eher wegen seiner Einsamkeit verstoßen. Denn seine eigentliche Aufgabe, die Menschen der Stadt bei Gefahr zu warnen, sollte ja eigentlich als ehrhaft gelten. Aber oft wohnte der Türmer auch in dem gleichen Turm, von dem aus er Wache hielt und hatte so kaum Kontakt zu anderen Berufstätigen.

Weitere unehrliche Berufe waren "Leineweber, Töpfer, Wundarzt, Weber, Tänzer, Schauspieler, Possenreißer und Musikanten"

Quellen:
http://www.leben-im-mittelalter.net
http://www.deutschland-im-mittelalter.de
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Mittelalterliche Bauberufe

Beitragvon Lindariel » 23. Nov 2012, 09:22

Baumeister

Architekten von heute sind die Baumeister des Mittelalters. Ihnen allein oblag die Verantwortung über ein Bauwerk. Doch neben den architektonischen Fragen, Konstruktionen und Bautechniken kümmerte er sich auch um die Koordination der Arbeiter, Beschaffung der Baumaterialien und Verwaltung der Gelder. Anders als heute erhielt ein Baumeister sein Wissen nicht durch Universitäten und aus Büchern, sondern allein aus Erfahrungen. Somit war es nicht verwunderlich, dass ein Turm erst drei Mal umstürzen musste, bevor er das richtige Bauverfahren ermittelt hatte.

Steinmetz

Der Beruf des Steinmetzes konnte erst um das Jahr 1500 als fester Beruf erlernt werden. Vorher war keine spezielle Ausbildung nötig. Der Beruf baute auf den Kenntnissen des Maurers auf und erforderte eine höhere Begabung und Erfahrung. Der Steinmetz oder auch Steinhauer, arbeitete mit Stein und fertigte Skulpturen aber auch Steine für den Hausbau an. Er arbeitete immer vom Groben bis hin zum Filigranen. Seine Werkzeuge waren Picke, Fläch- und Stockhammer, sowie Meißel und Spitzeisen. Zum Vermessen standen ihm ebenfalls diverse Werkzeuge zur Verfügung, die sich aber bis zum Ende des Mittelalters nicht veränderten. Steinmetze waren im Hochmittelalter besonders gefragt, da sich das bevorzugte Baumaterial von Holz zu Stein wandelte.

Zimmermann

Erst mit der Entstehung der Zünfte bekam auch der Zimmermann den Charakter eines richtigen Berufes. Denn im Grunde beherrschte beinahe jeder Mann des Mittelalters die Grundlagen des Zimmerns, da sie ihre Häuser und Hütten in der Regel selbst bauten. Doch vor allem in größeren Städten wurde der Bedarf an gut ausgebildeten Fachleuten immer größer. Die viel bewunderten Fachwerkhäuser zeugen noch immer von der hohen Baukunst dieser Zunft.

Quelle: http://www.leben-im-mittelalter.net
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Ernährungsberufe

Beitragvon Lindariel » 23. Nov 2012, 09:32

Zur Zeit des Mittelalters war Ernährung in den meisten Räumen noch das, was es im Grunde auch ist – eine Lebensgrundlage. Zur Völlerei kam es in der Regel nur im Adel oder in moralisch schlecht gesitteten Klöstern. Alle übrigen Menschen konnten sich derartige Verschwendungssucht gar nicht leisten. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich auch das Beschäftigungsbild im Bereich der Ernährung auf die lebenswichtigen Tätigkeiten, wie die des Müllers, Beckers, Fischers, Jägers und Fleischers beschränken. Nichtsdestotrotz gab es daneben natürlich auch zahlreiche Gasthäuser, die begabte Köche und Gastwirte beherbergten.

Bäcker

Gilt der Beruf des Bäckers heute als beschwerlich, ist das noch kein Vergleich zu den Strapazen, denen sich die Bäcker des Mittelalters ausgesetzt sahen. Auch damals schon begann die Arbeitszeit mit dem Aufgehen der Sonne, hinzu kamen starke körperliche Schäden durch das lange Stehen am selben Fleck und Kreislaufbeschwerden durch die permanente Hitze des Ofens. Doch die größte Gefahr lag im allgegenwärtigen Mehlstaub in der Luft. Dieser verstopfte die Atemwege und Hautporen und machte so das Handwerk erstaunlich ungesund. Die Bäcker unterteilten ihren Titel noch in Semmler, Brezelbäcker, Lebküchner, Süßbäcker u.v.a.

Knochenhauer

Der etwas abschreckende, aber dennoch sehr treffende Begriff Knochenhauer bezeichnet den Beruf des Fleischers oder Metzgers des Mittelalters. Doch bis auf den Titel hat sich die Arbeit bis heute kaum verändert. Auch Knochenhauer fanden sich in Städten zu Zünften zusammen und versorgten die Bewohner mit Fleisch- und Wurstwaren aller Art.

Müller

Ein sehr begehrter Beruf des Mittelalters ist der des Müllers. Obwohl die meisten Bauern über ein Feld verfügten, hatte nur der Müller das Recht, zu mahlen. Hielten sich andere nicht an diese Vorschrift und mahlten ihr Korn selbst, mussten sie mit sehr hohen Strafen rechnen. Neben dem Mahlen gehörte auch die Instandhaltung der Mühle, meist Wind- oder Wassermühle, zu seinem täglich Brot. Um diesen Pflichten uneingeschränkt nachgehen zu können, waren Müller und häufig auch die Gesellen von anderen Diensten, wie dem Kriegsdienst befreit.

Quellen:
http://www.leben-im-mittelalter.net
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Holzberufe

Beitragvon Lindariel » 23. Nov 2012, 09:43

Tischler, Schreiner, Drechsler, Schnitzer oder Flößer – die Vielfalt der mittelalterlichen Holzberufe erstreckt sich über ein sehr weites Feld. Da auch heute noch in zahlreichen Bereichen mit dem Grundmaterial Holz gearbeitet wird, haben sich die meisten Berufe auch erhalten. Dennoch spielte im Mittelalter Holz noch eine wesentlich größere Rolle, als heute. Ganze Häuser, Stadtmauern, Gerüste für Kirchen, Rathäuser und Kathedralen bestanden aus dem wertvollen Material und verlangte dementsprechend ein umfangreiches Wissen und Know-how der Handwerker.

Bogner

Der Bogner war im Mittelalter einer der wichtigsten Handwerksberufe. Er stellte den klassischen Bogen zur Verteidigung her. Der Bogen wurde aus Holz hergestellt. Man verwendete (junge) Eibenstämme und bespannte den elastischen Bogen mit einer Tiersehne, geflochtenen Hanf oder Seide. Um die Bögen Schuss-tauglich zu machen wurden sie mit Federn bespickt. Dies garantierte eine schnelle, bis zu 200 Meter reichende Zielgenauigkeit. Später löste die Armbrust den Bogen ab. Handwerker die zuvor als Bogner arbeiteten wechselten oft zu Armbrustern.

Drechsler

Die kunstvollen Holzarbeiten eines Drechslers werden heutzutage beinahe ausschließlich von computergesteuerten Maschinen übernommen. Die seltenen Handarbeitsstücke haben also einen dementsprechend hohen Wert. Dabei ist der Beruf des Drechslers schon seit der Antike überliefert und erreichte vor allem im späteren Mittelalter seine Hochzeit. Ob am Fideldrehstuhl, der Wippdrehbank oder der „moderneren“ Fußdrehbank – Haushaltsgegenstände aus Holz, wie Geschirr, Besteck, Möbel, Spinnräder oder Kleiderständer waren sowohl im Adel, als auch bei Bauern sehr beliebt. Ein Drechsler musste sich zum einen mit Alltagsfragen, wie der Höhe eines Melkschemels auseinandersetzen, zum andern aber auch ein künstlerisches Auge auf seine Werkstücke haben.

Flößer

Ein heute komplett ausgestorbener Beruf ist der des Flößers. Im Mittelalter war diese Tätigkeit noch eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für ein erfolgreiches Bauvorhaben. Nachdem die Bäume gefällt und von ihren Ästen befreit wurden, kümmerte sich der Flößer um den sicheren Transport der Hölzer über die Flüsse, die zwischen Rodungsgebiet und Bauplatz lagen. Dafür band er die Stämme entweder zu einem großen Floß zusammen und beaufsichtigte somit die sichere Überfahrt oder er legte sogenannte Floßgräben an, auf denen die Stämme kontrolliert zum Einsatzort treiben konnten.

Quellen:
http://www.leben-im-mittelalter.net
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Lederberufe

Beitragvon Lindariel » 24. Nov 2012, 07:43

Schon in ihren jüngsten Tagen entdeckten die Menschen die Vorzüge von Tierhäuten. Als Kleidung oder Zeltbespannung – der Siegeszug des Leders greift weit in die Geschichte zurück. Zur Zeit des Mittelalters entwickelte sich die Branche der Lederberufe zu einem der wichtigsten Handwerksstände. Ob Adel oder Bauer, auf gegerbte Häute, Ledersattel, Polster, Riemen, Kummets für Zugtiere oder feinste Schuhe konnte niemand verzichten. Einige der Berufe, wie z.B. der Sattler, haben sich bis in die Gegenwart erhalten.

Gerber

In vielen größeren Städten gab es regelrechte Gerberviertel, die ihre Zunft bereits am üblen Geruch erkennen ließen. Ein Gerber hatte die Aufgabe, aus den rohen Tierhäuten ein ansehnliches Leder für Handschuhe, Sattel, Schuhe oder sogar Pergament herzustellen. Zunächst mussten jedoch die Häute gereinigt und anschließend gegerbt werden. Eines der bekanntesten Verfahren ist die Gerbergrube. Da die Prozesse oftmals nur mit gesundheitsschädlichen Substanzen vorgenommen werden konnten, hatte der Gerbermeister einen hohen Verschleiß an Lehrlingen und anderen billigen Arbeitskräften.

Sattler

Wie der Name schon sagt, geht es beim Sattler um das Herstellen von Ledersatteln. Doch dazu übten sie oft auch die Tätigkeiten eines Gerbers, Riemers oder Kutschers aus. Sie fertigten Lederriemen, Zaumzeug oder Wagenpolster, später auch Lederkoffer. Im Mittelalter durfte ein ausgelernter Meister erst drei Jahre darauf einen Lehrling annehmen, um so die Zahl der Sattlermeister möglichst gering zu halten. Auch heute ist der Beruf noch zu finden und auch die modernen Sattler beschränken sich nicht auf den Reitsport, sondern kümmern sich zudem um Auto- und Sofabezüge.
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Metallberufe

Beitragvon Lindariel » 24. Nov 2012, 07:48

Hammer, Amboss und Blasebalg – diese Werkzeuge geben Aufschluss über das traditionsreiche Handwerk des Schmiedes. Schon im Mittelalter gab es ein vielfältiges Angebot an Metallberufen. Vorrausetzung waren neben Kraft und Ausdauer auch ein umfangreiches Wissen zum Arbeitsgegenstand Metall, Präzision und ein gutes Vorstellungsvermögen. Nicht nur Rüstungen, Waffen und Werkzeug, sondern auch feine Goldschmiedearbeiten, wie Trinkpokale oder edelste Schmuckstücke standen auf den Auftragslisten. Diese Filigranarbeit war vor allem beim Großbürgertum oder im Adel sehr beliebt.

Helmschmied

Der Schmied war hauptsächlich für das Herstellen von Rüstungen verantwortlich. Im Eisenschmiedehandwerk gab es mit der Zeit immer mehr Spezialisierungen. Der bedeutendste Schmied des Mittelalters war jedoch der Helmschied oder auch Helmer. Dieser stellte den wichtigsten Teil einer ritterlichen Rüstung her: Den Kopfschutz. Helme für Ritter waren sehr aufwendig gearbeitet. Sie bestanden aus einem Hauptteil, welcher aus zwei Eisenelementen zusammengefügt wurde. Die „Naht“ verlief vom Nacken über den Kopf, bis hin zur Stirn. Der Helm wurde mit Rundhämmern in ein halbkugelförmiges Ambossgesenk geschmiedet, was viel Geschicklichkeit erforderte. Der Ritterhelm sollte nicht nur den Kopf schützen, sondern auch den Hals und den Nacken.

Schlosser

Der Beruf des Schlossers ist seit dem 14. Jh. belegt und gehört dem Stand der Kleinschmiede an. Wie der Name schon sagt, ist es seine Aufgabe Schlösser in allen Größen und Formen herzustellen. Bezog sich ein Auftrag auf Tür-, Tor- oder Vorhängeschlösser, durfte er diese nur vom Hauseigentümer selbst annehmen und musste stets vertrauensvoll und diskret mit den dazugehörigen Schlüsseln hantieren. Neben der eigentlichen Herstellung war er auch für die Wartung seiner Stücke verantwortlich. Einige der mittelalterlichen Werke wiesen schon zu seiner Zeit eine verblüffende Raffinesse auf, sodass sie sogar Tresore und Schatzkammern vor Fremdzugriffen bewahrten.

Waffenschmied

Wilhelm v. Aquitanien gilt als Schutzpatron der Waffenschmiede und in der Tat waren diese im Hochmittelalter sehr angesehen. Neben Morgenstern, Armbrust und Hellebarde fertigte er auch Helme, Kettenhemden oder den lebensrettenden Schild. Auch Feuerwaffen und Kanonen fanden sich unter den Bestellungen. Doch das wahre Meisterstück bildete das legendenumwobene Langschwert. Nicht jeder Schmied hatte das Privileg, Waffen herzustellen. Einzig Schmiedemeister, die einem Rittergut unterstanden, hatten das Recht dazu.
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Textilberufe

Beitragvon Lindariel » 24. Nov 2012, 07:52

Dies ist eine der wenigen Branchen, die vor allem im späteren Mittelalter hauptsächlich den Frauen angedacht war. Vom Färben einmal abgesehen, waren es eher die Mütter, Töchter und Großmütter, die das Spinnen, Nähen, Stricken, Flechten, Knüpfen und Stopfen übernahmen. In einer Schneiderei allerdings war es natürlich wieder der Schneidermeister, der Schnitte festlegte und Aufträge verwaltete.

Mittelalterliche Textilberufe

Färber

Das Färben verlangte umfangreiche Kenntnisse über die chemischen Vorgänge des Färbeprozesses. Besonders anerkannt waren die Färber aus Flandern, der Qualitätsbegriff „Flandrisches Tuch“ hat sich bis heute gehalten. Indigo, Safran, Krapp, Brasilholz, Färberdistel und Flachs gehörten zum Know-how des Färbers und machten bei richtiger Dosierung und korrekter Anwendung aus einem einfachen Gewebe die wertvollsten Stoffe für Tuch und Bekleidung.

Schneider

Die romantischen Vorstellungen vom armen Schneiderlein stimmen nur zu sehr mit dem wahren Bild überein. Obwohl der seit dem 12. Jahrhundert bekannten Beruf des Zuschneiders durchaus beliebt, vielseitig und kreativ höchst anspruchsvoll sein konnte, lebten die meisten eher am Minimum der Existenz. Dies hing vor allem damit zusammen, dass der Schneider nie auf Vorrat, sondern immer nur auf Bestellung arbeiten durfte, somit also nie viele Kunden gleichzeitig versorgen konnte. Einfache Tätigkeiten, wie das Waschen der Textilie übernahmen meist Frauen, das Zuschneiden und Kreieren dagegen oblag allein in der Verantwortung des Schneidermeisters.

Leineweber

Das Handwerk des Leinewebers war zunächst erst in den ländlichen Regionen verbreitet und wurde oft von hörigen Bauern und Tagelöhnern betrieben. Erst später etablierte sich dieser Beruf auch in den Städten und wurde zu einem eigenen Handwerksberuf. Leineweber stellten aus gesponnenem Flachs Leinenstoff bzw. Leinwand her. Im Mittelalter war Leinen sehr begehrt, man verarbeitete es zu Hemden, Bettwäsche, Waffenröcken und anderen Textilien. Die Herstellung war jedoch mühsam. Manche Leineweber bauten ihre Rohstoffe selbst an. Dies erforderte viel Arbeit, da das Flachs zunächst geerntet, von Samen befreit und sortiert werden musste. Anschließend wurde es einige Tage in warmen Wasser gerottet und anschließend getrocknet. Nach der Trocknung wurde das Flachs gebrochen und von holzigen Teilen befreit. Mit Hilfe einer Hechel wurde es dann in Fasern zerlegt, womit man den Reinflachs gewann. Dieser konnte dann weiter zu Garnen verarbeitet und zu Stoff verwebt werden.
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